Vermehren und Zucht von Feigen

Vermehren und Zucht von Feigen

Vermehrung und Zucht aus Samen

Die Feigen die wir frisch oder getrocknet im Supermarkt kaufen können sind oft voller Samenkörner – aber auch die Feigen die hier in unseren Breiten immer häufiger in den Gärten anzufinden sind beherbergen Samenkörner. Die Versuchung ist groß, aus diesen Samenkörnern neue Pflanzen zu züchten. Dabei ist aber einiges zu bedenken:

 

Feigenwespe Bild: Feigenwespe (Blastophaga psenes) BIO Photography Group, Biodiversity Institute of Ontario
 1. Um keimfähige Samen zu bilden, muss die Feige befruchtet werden. Dies ist ein komplizierter Prozess – die Befruchtung kann ausschließlich durch ein bestimmtes Insekt erfolgen – die Feigenwespe (Blastophaga psenes).
Die Feigenwespen gibt es um das Mittelmeer herum, am Schwarzen Meer und im Nahen bzw Mittleren Osten. Die Verbreitungsgrenze nach Norden sind die Alpen und in Frankreich eine gedachte Linie Lyon–Bordeaux. In Deutschland ist die Feigenwespe also nicht zu finden.
Daraus kann man schließen, dass die Samen unserer ‚Hausfeigen‘ in Deutschland nicht keimfähig sind.2. Die Feigen aus dem Supermarkt kommen in der Regel aus den Mittelmeerländern oder aus dem Nahen bzw. Mittleren Osten. Hier kann man davon ausgehen dass die Feigen befruchtet wurde und somit keimfähige Samen trägt. Die Samen gehen oft recht schnell auf und man ist der stolze Besitzer von vielen kleinen Feigenpflanzen.

Die Enttäuschung folgt später , wenn man nach einigen Jahren merkt, dass die Pflanzen keine essbaren Früchte hervorbringt. Dies hat folgenden Grund:
Die kommerziell kultivierten Feigen in den o.g. Anbauregionen sind nahezu ausschließlich vom „Smyrna-Typ“. Das heißt , dass diese Feigen zur Entwicklung von essbaren Früchten die Feigenwespen benötigen. Gibt es diese Insekten nicht (wie bei uns in Deutschland), werden die Pflanzen keine essbare Früchte hervorbringen. (Das gilt übrigens auch für Stecklinge, die man aus diesen Regionen mitbringt und ebenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit vom ‚Smyrna-Typ“ sind )In unseren Breiten sind also Steckhölzer von selbstfruchtenden Feigen (parthenokarp) die einzige sinnvolle Methode zur Vermehrung von Feigen.

 

Vermehrung und Zucht mit Stecklingen / Steckhölzer

Wir reden bei der Vermehrung von Feigen oft über ‚Stecklinge‘, aber eigentlich vermehren wir Feigen mit Steckhölzer.

Was ist ein Steckholz?
Erstmal zur Definition und Abgrenzung vom Steckling: Im Unterschied zum Steckling (beblättertes, optimalerweise halb-verholztes Trieb-Stück, das man in der Vegetationszeit zwecks Vermehrung von z.B. einem Strauch schneidet und zur Bewurzelung in Erde steckt) ist ein Steckholz ein verholztes Triebstück ohne Blätter, das ab Herbst oder im Winter, also in der Vegetationsruhe geschnitten wird. Es wird ebenfalls in die Erde gesteckt, um durch vegetative Vermehrung neue identische Pflanzen von einer Mutterpflanze zu erhalten.

Wann Steckhölzer schneiden?
Feigen-Steckhölzer kann man ab Herbst / im Winter, auf alle Fälle, wenn es frostfrei ist schneidet. Ideal ist der Schnitt im späten Winter, Anfang Frühjahr (Februar/März) bei frostfreiem Wetter.

Optimale Steckhölzer
Optimalerweise schneidet man ein Steckholz von einem gesunden, kräftigen, möglichst dicken letztjährigen, gut verholzten Trieb der Feige. Nochmal langsam: Ein Ast, der letztes Jahr gewachsen ist, und davon ein kräftiges, verholztes Stück von 20-30 cm Länge oder länger, je nachdem, wie weit die Blattknoten voneinander entfernt sind. Das das Steckholz sollte auf alle Fälle eine Reihe von Blattknoten haben, aus denen sich Wurzeln und neue oberirdische Triebe sich bilden können.
Bei Steckhölzern werden im Gegensatz zur Stecklingsvermehrung nicht die Triebspitzen verwendet, sondern lieber das schon stärkere, 1-jährige Holz weiter unten.

 

 

Warum keine Triebspitzen?
Sie sind vom ganzen Ast am wenigsten verholzt und am schwächsten. Außerdem wäre da noch die Sache mit der Apikalknospe / Terminalknospe :
Die Terminalknospe ist die oberste Knospe an der Triebspitze, die beim Wachstum der Feige sozusagen bevorzugt wird.
Diese Stecklinge neigen dazu, relativ schnell auszutreiben und Blätter zu bilden – oft lange bevor das Steckholz ausreichende Wurzeln bilden konnte. In der Folge vertrocknen die neuen Blätter plötzlich und mit ihnen das ganze Steckholz.
Ein weiterer Nachteil ist, dass der Haupttrieb oder Steckling bevorzugt erstmal ohne Verzweigung oben weiterwächst, wenn er Wurzeln hat. Für Steckhölzer bietet es sich daher an, Triebstücke zu nehmen, die oben und unten eine Schnittfläche haben. Wenn das Steckholz dann bewurzelt, bekommt es gleich mehrere neue Austriebe aus schlafenden Augen/Knospen entlang des oberirdischen Steckholz-Teils, und damit wird die Feige gleich von Anfang an verzweigt.

Wie Steckholz schneiden?
Wichtig: Beim Schneiden bitte auf scharfes und möglichst steriles Werkzeug achten, um Pilzinfektionen am Holz zu vermeiden. Man kann auch anschließend die Schnittstelle mit Baumwachs schützen.
Das Steckholz hat also zwei Schnittstellen und keine Blätter. Was oben und unten ist, kann man relativgut an den Blattknoten erkennen. Wenn du aber unsicher bist, gibt´s einen Tipp:
Beim Schneiden von Steckhölzern peinlich darauf achten, die obere Schnittstelle gerade abzuschneiden, und die untere Schnittstelle schräg. Dann besteht hinterher keine Verwechslungsgefahr. An sich könnte man es vielleicht auch andersrum machen, wenn man hinterher noch weiß, wie rum man es gemacht hat, aber oben gerade schneiden ist schon sinnvoller. Denn wenn die Schnittstelle oben möglichst klein ist, bietet sie weniger Angriffsfläche zum Vertrocknen als wenn sie größer ist.

Steckholz stecken
Steckhölzer werden in der Regel tiefer gesteckt als Stecklinge, die mit ein, zwei Blattknoten unterhalb der Erde in der Vegetationszeit baldigst wurzeln und weiterwachsen. Steckhölzer ruhen ja unter Umständen viel länger, oder wachsen bei kühlen Temperaturen langsamer an, und werden in der Zwischenzeit nicht von Blättern versorgt. Sie müssen also unterirdisch genug Ressourcen haben, um anwachsen zu können. Deswegen steckt man sie tiefer und hat damit mehr Blattknoten unter der Erde. Man liest verschiedene Tiefen, so etwa 2/3 unter der Substratoberfläche / 1/3 oberhalb, oder sogar ganz, ganz tief, so dass nur der oberste Blattknoten einen Finger breit aus dem Substrat rausguckt.
Um ein Austrocknen zu verhindern, kann man auch noch die obere Schnittstelle mit Baumwachs versiegeln.

Welches Substrat ist geeignet?
Hier gibt es die unterschiedlichsten Varianten – manche stecken die Stockhölzer direkt in Erde, andere nutzen Moos oder wickeln das Steckholz in feuchtes Zeitungspapier.
Ich selbst bevorzuge als Substrat eine 50:50 Mischung aus Lechuza Pon (mineralisches Granulat) und Perlite. Die Mischung hält auf der einen Seite lange die Feuchtigkeit, auf der anderen Seite ist das Substrat immer gut durchlüftet. Somit kann eine Schimmelbildung weitestgehend vermieden werden.

Im Grunde gibt es somit gleich vier gängige Prozedere zu Vermehrung. Wichtig ist bei allen immer eine ausreichend warme Temperatur von 22-27°C.

 

 

3 Varianten zur Bewurzelung

1. Bei der ersten Variante wird der Steckhölzer zu einem Drittel in Wasser gestellt das möglichst oft gewechselt werden sollte. Ganz wichtig Geduld! Auf dem Steckholz entstehen irgendwann im unteren Bereich kleine weisse Punkte die sich aber noch abwischen lassen d.h. es sind noch keine Wurzeln, aber ein Vorzeichen. Sobald sich dann Wurzeln die extrem fragilen Wasserwurzeln gebildet haben wird das Steckholz sehr vorsichtig in sehr lockere Erde gepflanzt und leicht feucht gehalten. Auch hier -wie immer- Staunässe vermeiden. Es gibt übrigens verschiedene Ansaetze wie mit Blättern am Ast zu verfahren ist. Ich persönlich lasse die Blätter dran und die Feige wirft diese dann ab um nach dem wurzeln Neue zu treiben. Es gibt auch die Variante die Blätter einzukürzen d.h. halb abzuschneiden etc. Bei Variante Drei -weiter unten- werden die Blätter z.B. komplett abgenommen.

2. Alternativ zur Wasserbewurzelung oben kann ddas Steckholz auch zu mindestens einem Drittel direkt in Substrat gesteckt werden.
Sehr gute Erfahrungen habe ich mit dieser Methode und mit Lechuza Pon als Substrat gemacht

Lechuza ist ein feinkörniges (3-5mm) Gemisch aus Zeolith, Bims und Lava. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der Wurzelbereich ist immer feucht und gleichzeitig gut durchlüftet ist. dies verhinder Fäulnis und Schimmelbildung.

Hier eine kleine Anleitung:

– Die Steckhölzer gründlich unter fließendem Wasser mit einer Bürste reinigen.

– anschließend die Steckhölzer in einen Bad aus 0,2-0,5 Prozent H2O2 (Wasserstoffperoxid) für 10-15min sterilisieren.

– die Steckhölzer nochmal gründlich mit Wasser abspülen.

– in den Boden eines Kunststoffbechers (0,5l) einige Löcher bohren (geht gut mit einem heißen Nagel)

– ca 2-3 cm Lechuza einfüllen damit die Steckhölzer nicht direkt auf dem Boden und im Wasser stehen

– Steckhölzer einsetzen und Becher mit Lechuza auffüllen

– Becher in einen ausreichend großen Container mit Deckel an einen warmen Ort stellen (Ideal sind Temperaturen zwischen 22 und 27 Grad)

– Das Granulat gut feucht machen – überflüssiges Wasser muss durch die Löcher abfließen. In den folgenden Tagen/Wochen das Granulat nur mäßig feucht halten damit das Steckholz nicht fault.

– regelmäßig lüften um Schimmelbildung zu vermeiden

Nachdem der Becher gut durchwurzelt ist, kann das Steckholz vorichtig umgetopft werden. Dabei darauf achten, dass die Wurzeln nicht beschädigt werden.
Ideal ist ein hohes Pflanzgefäß mit ca 2 Liter Inhalt. Zunächst wird eine Drainageschicht aus Tonscherben, Blähton oder ähnliches eingebracht.
Die Erde sollte gut durchlässig sein. Bewährt hat sich eine Mischung aus 60% Erde (z.B. Tomatenerde) und 40% Perlite.

3. Steckhölzer werden nachdem man alle Blätter entfernt hat in einen nasse Tageszeitung eingewickelt und das ganze wird in einen Frischhaltebeutel gelegt der täglich gelüftet wird. Ideal z.b. auch für den Transport. Die Druckerschwärze der Zeitung wirkt dabei desinfizierund d.h. anderes Papier hat nicht die selbe Wirkung.

Abmoosen

Das Abmoosen ist die eleganteste und auch schnellste Methode um von einer vorhandenen Pflanze weitere Ableger zu machen.

Oft sind junge Feigen auch ohne Seitliche Triebe schon so hoch gewachsen, dass es sinnvoll ist, den oberen Teil der Pflanze abzumosen.

Das Ziel des Abmoosens ist es, den abzumoosenden Pflanzenteil zur Wurzelbildung anzuregen, obgleich sich dieser nicht im Erdboden befindet.Das geht mit einer Plastiktuete und zwei Gummibaendern, oder wie links abgebildet mit einer aufgeschnittenen PE-Flasche und Kabelbinder/Klebeband. Die Plastiktüte bzw. PE-Flasche befüllt man mit einem geeigneten Substrat wie natürlich Spaghnum Moos (daher der Name ‚abmoosen‘), aber es lassen sich auch schnell gute Erfolge mit einem Gemisch aus Blumenerde und Perlite (60:40) erziehlen.

Wichtig ist es, das sich zumindest ein Ast-Knoten innerhalb des Substrats befindet – daraus wurzelt die Feige sehr zuverlässig. Es ist nicht notwendig dafür die Rinde zu entfernen oder einzuschneiden wie bei anderen Pflanzen.

Am Besten beginnt man mit dem Abmoosen im Frühjahr. abhängig von den Bedingungen haben sich nach 2-3 Monaten ausreichend Wurzeln gebildet.

Anschließend entfernt man vorsichtig die Tüte bzw. PE-Flasche und schneidet den Ast unterhalb der Bewurzelung ab. Die somit neu gewonnene Planze setzt man in einen Topf und hält den Wurzelballen anfangs immer gut feucht. Ebenso sollte man die ersten Wochen direkte Sonneneinstrahlung vermeiden, bis sich die Feige vollständ etabliert hat.

Auspflanzen der jungen, frisch bewurzelten Feigen

Auch wenn die Sorte laut Beschreibung noch so winterhart sein soll – die ersten 2-3 Jahre solle man die Feige im Kübel belassen und möglichst frostfrei überwintern. In dieser Zeit kann die Feige einen kräftigen, holzigen Stamm und gute Wurzeln bilden, die so schnell nicht mehr komplett zurückfrieren können.